Mama Mascha über Wurzeln und Flügel

Ihr lieben Krambambuli-Freunde, ihr hattet so viel Spaß an meinen Babys. Ich auch, aber ich musste sie auch erziehen, da kann man ihnen nicht dauernd erzählen, wie süß sie sind. Man muss sie auch mal anknurren, an den Ohren ziehen und vom Futternapf wegschieben. Es sollen ja mal anständige kluge Pulis aus ihnen werden. Aber wir hatten auch viele zärtliche Minuten zusammen, ich hab ihnen so gern ihre Bäuchlein geleckt und die Schnäuzchen. Wir haben besonders in den letzten Wochen verrückte Spiele zusammen gespielt. Und ich habe sie alle eigenzähnig abgenabelt und ausgepackt.

Bellissima zum Beispiel ist wunderschön, war aber immer ein bisschen zurückhaltend und ernster als die anderen.

Mit ihr hatte ich lange Gespräche über die ökonomische Seite der Welpenaufzucht. Sie studiert in Aschaffenburg BWL mit Schwerpunkt Hundezucht.

Gerade macht sie ein Praktikum in der Unternehmensberatung. Ihre Mentorin Uschi legt besonderen Wert darauf, dass Bellissima ihren Klienten nicht auf den Schreibtisch kackt. Bellissima nimmt ihre Aufgabe so ernst, dass sie sogar im Büro schläft.

Beauty Assisa war immer sehr spirituell. Sie übte mit ihren Schwestern Tai-Chi und Qi Gong und unser beliebtes Wau-Ommmm.

Sie habe ich nach Bad Tölz zu einer esoterischen Therapiehundausbildung geschickt.

Sie führt dort ein entspanntes Leben, lernt jeden Tag etwas Neues und ist stolze Besitzerin eines Wohnmobils und einer Schwimmweste.

Bubbly Bandit ist in die Nähe von Mainz gezogen.

Sie hatte den besten Riecher für Schlupflöcher und wollte Toxikologin werden, aber ihr Herrchen möchte sie lieber zur Gärtnerin ausbilden, weil sie so wunderbare Löcher buddeln kann.

Ich musste sie ab und zu mal zurechtweisen, weil sie so wild war und meine Ermahnungen nicht ernst nahm.

Nun sind alle Mädchen ausgezogen. Und alle meinen, ich müsste furchtbar traurig sein. Aber wir Hunde sind doch gar nicht so dumm wie ihr Menschen. Wir wissen, wann es Zeit ist, das Rudel zu verlassen. Ihr wisst doch: “Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.” Ich habe ihnen alles gezeigt, was wichtig ist fürs Leben: Dass man seine Häufchen hinter der Couch versteckt, seine Pfützchen auf dem Teppich macht, weil sie da versickern, dass zuerst die Mama satt sein muss, dann erst die kleinen Hunde fressen. Und dass man großen Hunden nicht an den Zotten ziehen darf. Sie wissen, wie man sein Frauchen um die Pfote wickelt und wie man es schafft, dass Herrchen sein Leberwurstbrot mit einem teilt. Ich bin zu allen ins Auto gestiegen und hab ihnen gesagt, dass es in Ordnung ist, jetzt ihre Flügel zu benutzen.

Alle schicken mir regelmäßig Emails und Fotos und rufen an.

Über die anderen Mädchen erzähl’ ich euch nächste Woche etwas. Jetzt muss ich mit Fritzi spielen. Gestern waren wir seit langer Zeit mal wieder in einer Gaststätte und alle bestaunten uns und nicht die süüüüüüüüßen Welpen.

Ansonsten gilt “same procedure as every year”.

Eure Mascha

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